Heiter-kreatives Wechselspiel zwischen Sprache und Musik

Hospizdienst westlicher Enzkreis e.V.
Christina Brudereck und Ben Seipel von „2Flügel“ geben „Kopfkino“ zugunsten des Hospizdienstes

Nanu, wo ist denn der zweite Flügel, den man beim Auftritt von „2Flügel“ im Gemeindehaus der Christlichen Gemeinschaft Ellmendingen hätte erwarten  können? Diese Frage stellte sich am Sonntagabend wohl nicht nur Bärbel Maushart vom Ambulanten Hospizdienst Westlicher Enzkreis e.V., zu Gunsten dessen Christina Brudereck und Ben Seipel ins „Kopfkino“ entführten. „Der eine ist das Instrument hier“, erklärte die Pfarrerstochter, Theologin und Schriftstellerin Brudereck und blickte zu ihrem Musik- und Lebenspartner Ben Seipel, „Der andere ist unsichtbar, wie ein Schwung. Das wünsche ich auch euch, dass immer wieder Menschen und Flügel, Himmel und Erde in Berührung kommen.“

Im heiteren Galopp durch das Leben lieferten sich die beiden ein kreatives Wechselspiel zwischen Sprache und Musik. Von der Hitliste deutscher Schulnamen bis zum bewegten Kapitel der Geschwister Scholl und ihren bemerkenswerten Widerstand gegen den Nationalsozialismus: „Die Gedanken sind frei.“ Vom „Glückauf“ der Bergleute bis zu Bruderecks Lieblingskino in Essen, wo bei ihr besonders die Filme von Wim Wenders hoch im Kurs stünden, die sie auch mal gerne alleine mit Lakritz, einer kleinen Flasche Wein und zwei Päckchen Taschentüchern schaue, spannte Brudereck den Bogen. Immer wieder lieferte der Pianist die passenden Klänge dazu parat – von christlichen Lobpreisliedern über bekannte Schlager bis hin zu eigenen Kompositionen. Als Dozent an der Hochschule für Musik in Köln gingen ihm 14 Liedausschnitte aus den 80er-Jahren innerhalb von zwei Minuten ebenso locker von der Hand wie später das parallele Singen, Zupfen der Flügelsaiten oder das Spiel auf Melodika, Mundharmonika und dem Loop-Player. „Wir lernen aus Geschichten“, ermutigte Brudereck immer wieder, den Alltag mit anderen Augen zu sehen. So würden nur die Pessimisten an den 126 deutschen Regentagen im kühlen Nass laufen: „Die Optimisten duschen unter Wolken.“

Bereits zum dritten Mal in Folge war der Hospizdienst mit einem Benefizkonzert zu Gast bei der Christlichen Gemeinschaft. „Das ist der Beginn einer Tradition, die von mir aus sehr gerne weitergehen kann“, stellte Pastor Martin Lutzweiler fest, dessen Team die Besucher schon am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen eingeladen hatte, „Dass wir das Gemeindehaus zur Verfügung stellen, ist eine Wertschätzung und Dankbarkeit für den Hospizdienst.“ 

Julian Zachmann