Menschliche Botschaft

Poesie und Musik“ erklingen in der Pforzheimer Stadtkirche. Schauspielerin Marianne Sägebrecht wirbt für Hospizbewegung.

Zum Deutschen Hospiztag gab am Samstagabend, 14. Oktober 2017 das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim zusammen mit der Schauspielerin Marianne Sägebrecht das Konzert „Poesie und Musik“. Sie setzten damit in der voll besuchten evangelischen Stadtkirche ein Zeichen für die Bedeutsamkeit der Sterbebegleitung und palliativen Versorgung. Vertreter Pforzheimer Hospizdienste betonten die Unverzichtbarkeit des Ehrenamts.

Mozart bringt uns überall hin

Mozart öffnet Türen. Mozarts Musik tröstet und bringt uns überall hin. Auch zum vermeintlich düsteren Thema vom Sterben und Tod. So jedenfalls eröffnete das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung seines Chefs Timo Handschuh das Konzert zum Deutschen Hospiztag. Ein einfühlsames, aber selbstbewusstes Allegro aus der Mailländer Sinfonie in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart gab den musikalischen Auftakt.

Im Publikum fanden sich Konzertgänger, aber auch zahlreiche Helfer, Mitarbeiter und Förderer der in Pforzheim und Enzkreis ansässigen Hospizdienste, die mit diesem Konzert für weitere Anerkennung und Unterstützung warben. Deshalb gab es eingangs auch gleich mehrere Grußworte via Mikro in den Kirchraum gesprochen: „Wir wollen Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“, gab etwa Marianne Engeser, Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Pforzheim-Enzkreis, unmissverständlich ihr Statement ab. Es darf nicht sein, dass Menschen unwürdig einsam sterben, nur weil sie aus dem Netz der gesellschaftlichen Gesundheitsversorgung gefallen sind. Von ihren Anfängen hat sich die Hospizbewegung in den vergangenen 20 Jahren mittlerweile zu einer eigenen Dienstleistungsbranche entwickelt. Nils Herter vom Ambulanten Hospizdienst betonte, dass dafür das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeit unverzichtbar sei.

Auch die 72-jährige Schauspielerin Marianne Sägebrecht bringt sich ehrenamtlich ein, liest ab und an im Münchener Hospiz Sankt Christopherus. Nicht zuletzt daraus entstand ihre Idee, eine Lesung mit Gedichten und Texten zu entwickeln, die vor öffentlichem und kulturinteressiertem Publikum für die Hospizbewegung wirbt.

Viel Hoffnung gebende Lyrik von Hilde Domin war dabei, mehrere traurige und zugleich tröstende Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, der einfach gestrickte, aber sehr weise Text von Mahatma Gandhi, was „Frieden“ ist, auch Rilke und Goethe wurden rezitiert. Zu allen Texten hat Marianne Sägebrecht einen sehr persönlichen Zugang, und genau das sagte sie auch so, vorn am Altarbereich, links vom Orchester sitzend, am Tisch mit roter Decke, Wasserglas und Leselampe. Sie erzählte Jugenderinnerungen, kommentierte und hakte nach, warum sie dies und das ausgesucht habe.

Mit den warmen Streicherklängen aus „What a wonderful World“ von Louis Armstrong ging das Programm zu Ende.

Sven Scherz-Schade PZ Pforzheimer Zeitung
Bilder: Maushart