Bei der Sterbebegleitung kann es durchaus fröhlich zugehen

Ambulanter Hospizdienst feiert 20. Jubiläum mit Benefizkonzert des christlichen Liedermachers Albert Frey

Keltern-Ellmendingen (zac). Das war ja fast wie Weihnachten: Der Ambulante Hospizdienst Westlicher Enzkreis e.V. feierte am Sonntag den Auftakt seines 20. Geburtstages und teilte sein Geschenk, ein Benefizkonzert mit dem christlichen Sänger und Liedermacher Albert Frey, mit so vielen Besuchern, dass das Team kurzzeitig schier überwältigt war und die Räumlichkeiten an die Grenze stießen: Rund 600 Menschen strömten am Abend zur Christlichen Gemeinschaft Ellmendingen, wo erst einmal kräftig Trennwände schieben und Stühle rücken angesagt war. „Das ist ein echter Segen für uns“, brachte es die Hospizdienst-Koordinatorin Cornelia Haas beim Nach-Stuhlen auf den Punkt und auch Pastor Simon Tews zeigte sich bei seiner Begrüßung überwältigt.

Kein Wunder, denn der 53-Jährige Macher moderner Lobpreismusik hat in vielen Enzkreisgemeinden seinen festen Platz in der Chartliste der Gottesdienstmusik, sodass das Publikum schnell mit einstimmte und selbst als Frey erkältungsbedingt kurzzeitig mal leiser wurde, aufstand und die Stimme übernahm: „Ihr müsst mir helfen, dann fühle ich mich getragen!“ Aber auch viele neue Songs brachte der Produzent aus dem Kreis Ravensburg zusammen mit Luca Genta an Cello, Flöte, Bass sowie Percussion und Dirk Benner am Piano mit nach Ellmendingen. Auch nach 36 Jahren Musik sei Frey nicht müde geworden, von Jesus zu singen und ermutigte, anstatt christlicher Rechthaberei sich selbst immer von Neuem Fragen stellen zu lassen von der Bibel. Während die Musiker beim Song „Adam, wo bist du“ die Sehnsucht Gottes nach den Menschen in den Saiten und Tasten nachschwingen ließen, durften die Besucher beim „Blues aufs Älterwerden“ fleißig mitjammern – und sich gleichzeitig an der Weisheit des Alters erfreuen. Auch wenn seine Feststellung für alle über 50 „Wenn du morgens aufwachst und dir tut nichts weh, dann bist du tut“ wohl weniger ernst gemeint war, fügte Frey hinzu: „Auch die Sterbebegleitung ist ja nicht immer bierernst, da kann man auch mal lachen.“ Manchmal sei das Leben zweiseitig und man könne selbst im Bitteren die Süße finden. War der erste Teil des Abends mit Liedern wie „Sonne, steh still“ oder „Klagemauer“ eher nachdenklich gehalten, lud Frey nach dem Austausch der Besucher im Foyer im zweiten Teil ein zum fröhlich-lodernden Gotteslob.

Der Sonntag, der bereits mit einem Jubiläumsgottesdienst in der Ellmendinger Kirche begann, bei dem Pfarrer Günther Wacker herausstellte, dass eben nicht alles im Leben planbar sei und anschließend das Team segnete, war erst der Anfang des Hospiz-Jubiläumsjahres. Im April wird ein Festakt folgen. Der Hospizdienst, dessen Haupt- und Ehrenamtlichen es am Sonntag wichtig war auszudrücken, dass sämtliche Angebote offen sind für alle – ganz unabhängig von Glauben und Religion, begleitet jährlich rund 100 Menschen, etwa ein Drittel zuhause und zwei Drittel in Pflegeeinrichtungen. Auch den Angehörigen schenkt er Lebensbeistand. Seit der Gründung 1998 verzeichnet die stellvertretende Vorsitzende Bärbl Maushart eine stets wachsende Nachfrage. Und ihr Wunsch zum Geburtstag? Neben Ehrenamtlichen, die bereit sind für eine Schulung und anschließend für den Dienst wünsche sie sich, dass das Angebot noch bekannter werde in der breiten Öffentlichkeit: „Nach wie vor gibt es eine Hemmschwelle, viele wissen nicht genau, was unser Dienst beinhaltet und dass er kostenlos für die Begleiteten ist. Manche haben Vorurteile oder melden sich zu spät bei uns, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt, die wir lebenswert machen können.“

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