Nachgedanken zum Deutschen Hospiztag

Seit 2005 wird immer am 14. Oktober der Deutsche Hospiztag begangen, an dem bundesweit die Hospizgruppen mit unterschiedlichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen auf ihre Tätigkeit aufmerksam machen.

Aus diesem Anlass haben die Hospizgruppen aus dem Enzkreis und der Stadt Pforzheim am 13. Oktober in einer gemeinsamen Aktion vor dem Rathaus die Passanten ermuntert, sich Gedanken zu ihrem letzten Wunsch vor dem Sterben zu machen und diesen auf einer der drei großen Stellwände aufzuschreiben. Vorgegeben war der Satzanfang „Bevor ich sterbe….“, der entsprechend ergänzt werden sollte. Das war durchaus nicht als Provokation gedacht, sondern sollte den Blick auf die Endlichkeit des Lebens lenken. Dabei wurden ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die vom spontanen Abwinken bis zum Innehalten und bewegenden Gesprächen reichten.

Das Spektrum der Antworten lag zwischen diesen beiden Antworten:

„Bevor ich sterbe, möchte ich noch ein Fest mit Freunden feiern“.

„Bevor ich sterbe, möchte ich leben und geliebt werden“.

Ein zusätzlicher Blickfang war ein Krankenbett mit der Aufschrift: „Wer wird an Ihrem Bett sitzen?“

Als Ergänzung zu dieser Aktion wurde am 14. Oktoberder Film „Überall wo wir sind“ im Kommunalen Kino gezeigt. Überall wo wir sind, ist zum einen der Titel dieses Films, könnte aber auch zutreffen auf die Tätigkeit der Hospizbegleiterinnen und-begleiter, denn überall wo wir sind, geht es um Sterben oder Tod. Das im Grunde genommen sehr ernste Thema gibt allgemein wenig Anlass zur Fröhlichkeit. Die Hospizler begreifen ihre Aufgabe darin, einem schwerstkranken oder sterbenden Menschen in seinen letzten Lebenstagen mit allen ihren Sinnen nahe zu sein und sich auf ihn und seine ganz eigene Situation einzulassen. Dass es dabei, neben allem körperlichen und seelischem Schmerz, auch fröhliche Momente geben kann, erleben Begleiterinnen und Begleiter gar nicht so selten. In dem Film wurde deutlich, dass trotz des Ringens um Festhalten oder Loslassen, im Angesicht des Todes das Leben gefeiert werden kann.

Die beteiligten Hospizgruppen zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf die Aktion vor dem Rathaus und auch mit dem Besuch im Kommunalen Kino.

Dr. Johannes Bastian, Ambulanter Hospizdienst Östlicher Enzkreis

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