Trauer in Pandemiezeiten

Definiere Trauer… Ein schwieriges Unterfangen da sie sie sich für Jeden anders darstellt. Der große gemeinsame Nenner ist der Verlust von etwas, von jemandem. In dieser Zeit verlieren wir weltweit seit einem Jahr das Gefühl der Routine, die Sicherheit einen Ausflug eine Reise, zu einem beliebigem Zeitpunkt zu unternehmen, Feste wie Ostern, eine Hochzeit oder den Weißen Sonntag so gestalten zu können, wie es seit Generationen in der Familie Tradition ist. Dies sind nur einige Beispiele, wo wir als Einzelne und gleichzeitig als Gesellschaft momentan mit Verlusten konfrontiert sind die traurig machen. Das sind Verluste die uns momentan mehr oder weniger gerade Alle betreffen, nicht zu vergleichen mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Die Trauer um eine nahestehende Person war schon vor der Corona Pandemie eine Herausforderung, die zu bewältigen Kraft kostete. Hilfreich waren Angebote von Familie und Freunden, zum Essen oder einfach spontane Besuche oder Spaziergänge, vor allem eine liebevolle Umarmung (zur Erinnerung: laut Definition, eine Form von Körperkontakt, bei der i.d.R. der Hals oder Rücken einer anderen Person mit den Armen umfasst wird). Außerdem gab es Gruppenangebote in denen Austausch möglich war, gemeinsam Kaffee getrunken oder gewandert wurde. Nicht zuletzt blieb Bertoffenen der ganz normale Alltag mit der Fahrt zur Arbeit, und der wöchentlichen Routine wie Vereinstreffen oder sportliche Aktivitäten. All dies ist in dieser Form Pandemie bedingt nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich- vor allem, es fehlt die Routine. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wirbelt sein Fehlen sowieso das Leben seiner Angehörigen durcheinander, es geht weiter ohne ihn, eine andere neue Routine muss erst noch gefunden werden. Wie viel schwerer ist es, wenn in der gesamten Welt alles was vorher selbstverständlich zum Leben, zum Alltag gehört hat, weggebrochen bzw. verändert ist.

Wir vom ambulanten Hospizdienst bieten nach wie vor Einzelgespräche an (telefonisch, Corona konform in unseren Räumen oder auf Wunsch auch als Hausbesuch) und erleben, wie die aktuelle Situation den ohnehin mühsamen Trauerprozess beeinflusst. Kennen Sie auch einen Menschen, der um einen Angehörigen trauert, trauen Sie sich ihn anzurufen, ihm einen Brief zu schreiben, mit ihm spazieren zu gehen- machen Sie ihm diese Angebote mit der Option, dass er sie zu diesem Zeitpunkt ablehnt, aber zu einem späteren vielleicht darauf zurückkommt. Zeigen Sie, dass Sie ihn im Bewusstsein haben und bereit sind, ein Stück des Weges mitzugehen, in dem Sie seine Traurigkeit mit aushalten. In dieser Zeit gilt es, die Qualität einer körperlichen Umarmung umzugestalten, in dem ich die Person gedanklich „umarme“, sprich in meinem Bewusstsein habe und nach anderen Wegen suche, dies zu zeigen.

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